In Zukunft soll die Einnahme einer Polypille, die aus sechs verschiedenen Medikamenten besteht, das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko um 80 Prozent senken. Die Kombination aus Aspirin, Cholesterin- und Blutdrucksenkern sowie Folsäure sei kostengünstig, die Nebenwirkungen äußerst gering, meinen ihre Erfinder.
Die Polypille soll von Menschen ab dem 55. Lebensjahr prophylaktisch eingenommen werden. Aber auch jüngere Menschen, die an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes leiden, würden als Zielgruppe in Frage kommen.
Nach Angaben der Initiatoren der "Wunderpille", Nicholas Wald und Malcolm Law vom Wolfson Institute of Preventative Medicine, würde ein Drittel der Anwender davon profitieren und die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls bis zu 20 Jahre ihres Lebens bannen.
Die genaue Funktionsweise der Polypille stellten die Wissenschaftler im British Medical Journal (BMJ) vor.
Durch die Kombination eines cholesterinsenkenden, dreier blutdrucksenkender Mittel, Folsäure und Aspirin werden laut Wald und Law vier Hauptrisiken von Herz-Kreislauferkrankungen drastisch reduziert:
- Die LDL (Low Density Lipoprotein)-Werte, dabei handelt es sich um das so genannte "böse Cholesterin". - Blutdruckwerte - Homocystein, dabei handelt es sich um ein hoch potentes Produkt des Protein-Stoffwechsels. Erhöhte Hcy-Spiegel steigern auch das Risiko für das Auftreten von koronaren Herzkrankheiten oder Schlaganfällen. - Missfunktion der Blutplättchen; die Medikamente beeinflussen die Funktion der Blutgerinnung im positiven Sinn.
Schwachpunkt Verträglichkeit
Natürlich wäre die Polypille nicht für Menschen geeignet, die aufgrund anderer Erkrankungen keine Beta-Blocker oder Aspirin nehmen dürfen oder an Asthma leiden. Von den restlichen in Frage kommenden Menschen würden wahrscheinlich noch zehn Prozent die Polypille nicht vertragen, aber dennoch wäre der Effekt dieser Pille für die Gesundheit der Bevölkerung enorm, meinen die Forscher. Denn Herzinfarkt und Schlaganfall gehören zu den häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt. Umso verlockender scheint diese "All in One-Pille", da es laut Angaben der Wissenschaftler auch nur zur wenigen bis keinen unerwünschten Nebenwirkungen kommen sollte.
Mehr Obst und Gemüse
Derselbe Effekt wie derjenige der Polypille könne laut Wald auch auf natürlichem Wege erreicht werden. Etwa durch eine Gemüse- und Obstdiät in Verbindung mit regelmäßigen Sport und dem Verzicht auf Zigaretten.
Keine Lizenz für ungesunden Lebenswandel
"Die Idee für eine Pille gegen alle Leiden ist verlockend, aber wir sollten das Ansteigen von Fettleibigkeit, Bewegungsarmut, Diabetes und die immer größer werdende Zahl von jugendlichen Rauchern nicht ignorieren", meint der Direktor der British Heart Foundation, Charles George. "Daher müsste man darauf achten, das die Polypille nicht als Lizenz für ungesunden Lebenswandel angenommen wird".
Weitere Untersuchungen und Patentanmeldung
Wie die Wissenschaftler im British Medical Journal schreiben, ist ein Patent für die Polypille beantragt. Jetzt müssten im nächsten Schritt Studien für die Umsetzung, nicht zuletzt auch zu den Nebeneffekten, in Angriff genommen werden.
ORF Science
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